Faktencheck
U 977 kapitulierte am 17. August 1945 in Mar del Plata. Die Fahrt ist anders überliefert als die von U 530; besonders die bekannte 66-Tage-Erzählung verlangt eine genaue Kennzeichnung ihrer Quelle.
Redaktion: Altamarin Verlag · Quellenstand: 2. Oktober 2026
Zeitgenössischer Bericht und Erinnerungsbuch
Der amerikanische Vernehmungsbericht vom 19. September 1945 ist eine zentrale Quelle für die Fahrt und die Besatzung. Heinz Schäffers Erinnerungsbuch von 1952 ist eine andere Quellengattung. Es vermittelt die Sicht des Kommandanten im Rückblick. Die spätere Erinnerung darf nicht ohne Kennzeichnung als identischer Wortlaut eines zeitgenössischen Logbuchs behandelt werden.
Was bedeutet unter Wasser?
Bei einem schnorchelnden Boot kann untergetauchte Fahrt mit Luftzufuhr und Dieselbetrieb vereinbar sein. Die Formulierung 66 Tage unter Wasser darf deshalb nicht ohne technischen Kontext als 66 Tage völlig abgeschlossene Tauchfahrt verstanden werden. Für Anfang, Ende und einzelne Zwischenabschnitte sind die konkreten Angaben der Quellen zu vergleichen.
Abgesetzte Männer und Atlantikfahrt
Das Absetzen von 16 Besatzungsmitgliedern vor der weiteren Fahrt ist ein wichtiger Teil der überlieferten Geschichte. Der Vernehmungsbericht bietet weitere Informationen zu Stationen und Ablauf. Trotzdem ist nicht jede Position der langen Überfahrt unabhängig von außen bestätigt. Eine brauchbare Rekonstruktion kennzeichnet diesen Unterschied.
Keine Route nach Neuschwabenland
Die Ankunft in Argentinien und die lange Fahrt erklären das Interesse an U 977. Sie liefern keinen Nachweis einer geheimen antarktischen Mission. Die verfügbare Quellen- und technische Lage spricht deutlich gegen den behaupteten Abstecher.
Selbstkorrektur in der Quellenkritik
Eine frühe Altamarin-Vorarbeit warf der Untersuchung von 2007 zu pauschal vor, die 66 Tage ohne Herkunftsangabe übernommen zu haben. Der Originalaufsatz nennt Schäffer 1952. Dieser Vorwurf wird daher nicht übernommen. Prüfwürdig bleiben die genaue Bedeutung der Formulierung und ihr Verhältnis zu den zeitgenössischen Unterlagen.
17. August 1945: das zweite Boot in Mar del Plata
U 977 erreichte Mar del Plata am 17. August 1945. Die Ankunft folgte auf die Übergabe von U 530 im Juli und verstärkte den öffentlichen Eindruck eines zusammenhängenden Vorgangs. Ein gemeinsamer Hafen und die verspätete Kapitulation beweisen jedoch noch keine gemeinsame geheime Mission. Die Fahrt von Heinz Schäffers Boot hat eine eigene Besatzungs- und Dokumentengeschichte.
Der amerikanische Vernehmungsbericht vom 19. September 1945 nennt 107 Tage auf See und 7.644 Seemeilen. Diese Angaben werden hier als Angaben des Berichts bezeichnet. Sie sind nicht mit einer unabhängig beobachteten Position für jeden Reisetag gleichzusetzen. Der Bericht ist ausführlicher als die verfügbare Überlieferung zu U 530; vollständig lückenlos wird die Fahrt dadurch nicht.
Warum die Besatzungsgeschichte wichtig ist
Sechzehn Männer gingen in Norwegen an Land, bevor die verbleibende Besatzung weiterfuhr. Dieser Vorgang zeigt, dass die Entscheidung zur Weiterfahrt nicht von allen Männern gleichermaßen getragen wurde. Er gehört zur Rekonstruktion der Reise und ist nicht bloß eine nebensächliche Personalangabe.
Für eine Quellenprüfung ist außerdem wichtig, ob Aussagen unterschiedlicher Männer tatsächlich unabhängig entstanden. Mehrere Wiedergaben derselben Kommandantenfassung sind keine ebenso große Zahl unabhängiger Bestätigungen. Vernehmungen, später veröffentlichte Erinnerungen und moderne Zusammenfassungen müssen deshalb nach ihrer Herkunft und zeitlichen Nähe geordnet werden. Die Zahl der Texte allein sagt wenig über die Zahl ihrer ursprünglichen Informationsquellen aus.
Schnorchelfahrt und die Bedeutung der 66 Tage
Die bekannte Formulierung ist technisch erklärungsbedürftig. Bei Schnorchelfahrt bleibt ein Boot überwiegend untergetaucht, kann aber über den Schnorchel Luft beziehen und seine Dieselmotoren betreiben. Das unterscheidet sich erheblich von einer vollständig abgeschlossenen, allein auf Batterien angewiesenen Tauchfahrt. Eine Erzählung, die beide Betriebsarten verwechselt, erzeugt einen scheinbaren technischen Widerspruch.
Damit ist noch nicht entschieden, ob jede Einzelangabe zur Dauer und zum Ablauf zutrifft. Dafür müssen Anfang, Ende und mögliche Unterbrechungen anhand der konkreten Quellen verglichen werden. Die Website übernimmt deshalb weder eine pauschale Bestätigung der gesamten Erinnerung noch den ebenso pauschalen Vorwurf, eine solche Fahrt sei allein wegen der Worte unter Wasser ausgeschlossen. Die Quellenfrage beginnt dort, wo die technischen Begriffe geklärt sind.